Wutbürger. Dieser Begriff ist in letzter Zeit immer häufiger zu hören. Was bedeutet er und auf welche Bevölkerungsgruppe wird er angewendet?
Vornehmlich hört man von Wutbürgern in Zusammenhang mit Widerstand und Demonstrationen gegen Großprojekte wie Stuttgart 21 oder Gorleben. Aber auch im kleineren Rahmen verschafft sich dieser Menschenschlag zunehmend Gehör. Meist überall dort, wo über seinen Kopf hinweg etwas entschieden wurde, das in seinen Augen zumindest fragwürdig, wenn nicht gar völlig unsinnig erscheint.
Die Frage liegt nahe, wo denn dieser Wutbürger die ganzen Jahre vorher gesteckt hat. Unsinnige politische Entscheidungen gibt es schließlich nicht erst seit gestern. Die Antwort darauf lautet: Er wurde gezüchtet. Seine Wut herangezogen und genährt, bis sie reif wurde, überreif sogar und sprichwörtlich geplatzt ist. Die ungünstigste aller Möglichkeiten für auf Angepasstheit, Duckmäusertum und Vergesslichkeit spekulierende Entscheidungsträger, die es bislang gewohnt waren, dass ihre Beschlüsse nicht hinterfragt, sondern höchstens mit einem leichten Grummeln hingenommen wurden.
Aber gerade auf dieses Murren hätten die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft besser hören sollen. Wer sich Reportagen über die oben erwähnten Demonstrationen anschaut wird feststellen, dass es sich bei den Teilnehmern der Kundgebungen nicht nur um Jugendliche oder junge Erwachsene handelt. Ein Großteil derer, die dort protestieren, haben die Lebensmitte bereits überschritten. Sie verfügen über Erfahrung in vielen Bereichen und haben es einfach satt, sich für dumm verkaufen zu lassen. Diese Wutbürger genannten Personen wollen es nicht länger hinnehmen, dass sie die Folgen ausbaden müssen, die andere mit ihren (Fehl)Entscheidungen zu verantworten haben.